Film : Manufacturing Dissent

Manufacturing Dissent

EUR 8,49


Sunfilm Michael Moore`s - Manufacturing Dissent, USK/FSK: oA VÃ-Datum: 09.11.07


Kritische Reflektion einer Kultfigur - Spätestens seit seinen Dokumentationen Bowling For Columbine und Fahrenheit 9/11 ist Michael Moore eine Kultfigur in Deutschland. Erstens, weil er einen offenbar gewaltigen Durst nach Kritik an George W. Bush und anti-amerikanischen Verschwörungstheorien stillt, zweitens weil er als Amerikaner - quasi als Kronzeuge - vermeindlich lächerliche oder moralisch zweifelhafte gesellschaftliche Zustände in den USA bloßstellt, und drittens weil er einfach einen blendenden Humor hat, jeden zum Lachen bringt und einem auch noch das Gefühl vermittelt, etwas zu lernen.Nun, Satire ist richtig und wichtig. Politische Positionierung gegen die republikanische Bush-Regierung ist legitim und nachvollziehbar. Vermischt man aber gestellte Sketches und überzeichnete Parodien mit Elementen einer investigativen politischen Dokumentation, bekommt das Ganze einen unseriösen und höchst zweifelhaften Anstrich, biegt man jede Information so hin, dass sie ins Konzept passt und führt man seine Gesprächspartner aus Prinzip an der Nase herum, tut man Selbiges auch mit dem Publikum. Und wird damit vom vermeindlichen Aufklärer zum Blender.Michael Moore ist längst jedem, der sich trotz allem berechtigten Spaß an seinen Büchern und Filmen eine kritische Distanz bewahrt haben, als Schaumschläger, Egozentriker und Demagoge bekannt. Und so sind nur wenige der zweifellos entwaffnenden Enthüllungen über Moores Methodik der systematischen Falschdarstellung wirklich neu. Neu ist nur, dass man Moore und auch den Fans seiner Dokus einen Spiegel in just dieser Form präsentiert: In Form eines flotten, ironischen Films. Da dieses Medium sicher mehr Moore-Fans erreichen wird als Artikel in Printmedien, finde ich das Projekt - auch wenn es nicht unbedingt bahnbrechend ist - gelungen und sehenswert.

Die andere Seite der Medaille - Dass es unser Wonneproppen mit der Wahrheitnicht immer so schrecklich ernst meint, hatte ich bereits seit langem vermutet.Die Frage, ob die Realität/Wahrheit, im Dienste einer guten Sache so einfach ver-gewaltigt werden darf, muß jeder für sichselbst beantworten. Nicht wenige Zeitge-nossen werden sagen: Was solls? Der Zweck heiligt die Mittel, oder? Mag sein, bei mir hinterläßt diese Dokumentation jedoch einen mehr als üblen Nachgeschmack.Ein ebenfalls renomierter Filmemacher bringt es auf den Punkt:Ein Dokumentarfilmer schließt mit denZuschauern einen Pakt, der ihnen garantierensoll (und muss!), dass sich alles, was ihnen gezeigt wird, auch tatsächlich so zugetragen hat - inklusive einer korrekt dargestellten Chronologie.Diesen Pakt hat Mr.Moore zweifellos mehr alsnur einmal gebrochen, daran bestehen für mich, spätestens nach diesem Beitrag, nicht die geringsten Zweifel.Erstes Beispiel:In Roger & Me stellt Moore die Behauptungauf, es wäre ihm nicht gelungen, besagtemRoger (dem Boss von General Motors) einInterview abzuringen.Dabei existieren alleine zwei protokollierte Interviews, in denen Roger Moores Fragensehr wohl 1 : 1 beantwortet hat!Warum lügt Moore?Ganz einfach: weil die Quintessenz undTragikomik des Films nun einmal aus dervermeintlichen Nichterreichbarkeit desmenschenfressenden ErzkapitalistenRoger besteht.Will die Realität mal nicht so, wie esbenötigt wird, biegt man halt ein wenig nach. So einfach ist das. Zweites Beispiel: Bowling for Columbine -der Besuch beim verhassten NRA-Lobyisten Charlton Heston. Ein ehemaliger MitstreiterMoores äußert sich hierzu doch sehr kritisch, in dem er dessen überfallartige und allerudimentären Gesetze von Respekt undgebotener Gastfreundschaft mißachtendeVorgehensweise in Frage stellt.Der Mann (Heston) war dabei seinenVerstand zu verlieren, gibt er zu bedenken, womit er auf Hestons Alzheimererkrankung anspielt.Fairerweise hätte Moore HestonsEngagement in der Bürgerrechts-bewegung nicht unerwähnt lassensollen, als dieser mit Dr. King,H. Bellafonte, S. Davis Jun.etc. durch Hollywood marschiertwar - lange bevor es die großeMode wurde. In Hestons Tagen konnteso etwas leicht den beruflichen Exitus bedeuten.Aber natürlich ist es viel leichter,im Takt eines Maschinengewehres auf einen kranken, alten Mann einzuprügeln, anstatt ihn zum Nachdenken kommen zulassen, so dass dieser sich imstande sähe, sich adäquat verteidigen zu können.Mag man von Hestons Waffenliebe ansonsten halten was man will - Moores Auftritt war einfach nur schäbig!Hinzu kommt noch eine ausgewachsene Lüge,in dem Moore behauptet, Heston hätte kurznach dem Massaker von Columbine an einerNRA-Kundgebung teilgenommen und seinberühmt-berüchtigtes ... from my colddead hand erschallen lassen.Das ist so einfach nicht richtig!!!Den Goldenen Schuss setzt sich Mr.Moore, der große weisse Ritter und Lordsiegelbewahrer von Wahrheit und Redefreiheit, jedoch selbst, in demer ein kanadisches Filmteam (Ich liebeKanadier - Original Moore-Zitat!)ein Jahr lang auf ein Interview wartenläßt und dieses schließlich durch seineBodygards aus seiner Kundgebung ent-fernen läßt. Eine junge Frau, die vonMoores Leuten ebenfalls hinaus gebetenwurde, betitelt ihn in ihrer Verzweiflungmit You are a chickenshit, Mr.Moore, wasmit Feigling übersetzt wird.Ein Blick in Moores Gesicht, als diesersich dann doch endlich einigen, für ihnaugenscheinlich recht peinlichen, Fragender Kanadier stellen muß, spricht Bändeund gibt der jungen Frau recht:es ist der unstete Blick eines Hypokritenund Feiglings. Die Fassade blättert inSekundenbruchteilen!Und sieht man sich dann noch den Bonusteil der DVD an und hört sichdie Meinungen einiger seiner Kollegenbzw. Mitstreiter an (He is a sonof a bitch), dann bleibt vomMythos Michael Moore nicht mehr vielübrig.Damit kein Mißverständnis entsteht:Roger ist zweifelsohne ein Haifisch-kapitalist und die Waffenliebe derAmerikaner ist ein soziologischesDesaster - ohne jeden Zweifel!Doch jemand der sich so gerne mitdem strahlendweißen Mantel derRechtschaffenheit kleidet, sichin Wirklichkeit aber Lügen bedient und sich mit Wonne und Freuden dieTaschen mit Millionen von Dollarsvollschaufelt, der darf sich nichtwundern, wenn er sich eines schönenTages mit der eigenen Kugel erschiesst.Und der darf sich auch nichtwundern, dass er auf einmal derartleicht angreifbar wird.Genau darauf haben seine Gegnernämlich gewartet.Ich denke nicht, dass ich mirje wieder einen Moore Film antunwerde.Dennoch, oder gerade deswegen:K A U F E N !




Manufacturing Dissent